
Die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland sinkt weiter, doch das Sicherheitsgefühl vieler Beschäftigter in Krisenszenarien bleibt verhalten. Nach vorläufigen Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gab es 2025 rund 730.598 meldepflichtige Arbeitsunfälle – etwa 24.000 weniger als im Jahr zuvor. Vor drei Jahrzehnten lag die Zahl noch bei über 1,6 Millionen, vor zehn Jahren bei knapp 870.000. Auch die Zahl der Todesfälle infolge eines Arbeitsunfalls ging zurück: 335 Menschen kamen 2025 ums Leben, zehn weniger als im Vorjahr. Insgesamt sind rund 68 Millionen Menschen in Deutschland gegen Arbeits- und Wegeunfälle, Schulunfälle sowie Berufskrankheiten versichert.
Die DGUV führt die positive Entwicklung vor allem auf verstärkte Prävention zurück: Brandschutzübungen, Erste-Hilfe-Schulungen sowie Notfall- und Krisenpläne sind in vielen Betrieben etabliert. Das DGUV-Barometer „Arbeitswelt 2026“, eine repräsentative Befragung von Erwerbstätigen, zeigt gleichzeitig eine breite inhaltliche Unterstützung für diesen Kurs. 90 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Prävention Unternehmen stärkt und die Krisenfestigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland erhöht. Besonders hoch ist die Zustimmung zu konkreten Maßnahmen wie der Benennung und Qualifizierung von Ersthelfenden, Brandschutzhelfenden und Sicherheitsbeauftragten.
Gleichzeitig offenbaren die Umfragen spürbare Lücken in der Wahrnehmung der Krisenvorsorge. Laut einer Forsa-Erhebung im Auftrag der DGUV sieht nur rund ein Drittel der Beschäftigten und Führungskräfte ihr Unternehmen bei Störungen der Lieferketten, Gewaltereignissen oder Stromausfällen gut gewappnet. Im DGUV-Barometer geben die Befragten an, ihre Arbeitgeber seien vergleichsweise gut vorbereitet auf Pandemien, Brände und Cyberangriffe. Deutlich seltener gilt dies jedoch für Naturkatastrophen, länger andauernde Stromausfälle oder komplexe Störungen globaler Lieferketten.
Die Unfallversicherung rückt deshalb verstärkt die Krisenresilienz der Betriebe in den Fokus. „Die Welt verändert sich“, sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Stephan Fasshauer. Neben klassischen Gefahren wie Bränden oder unzureichenden Fluchtwegen gehe es zunehmend um die Folgen digitaler Angriffe, externer Schocks und unterbrochener Lieferketten. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und volatiler Energiepreise wächst aus Sicht der DGUV der Handlungsdruck, Verwundbarkeiten zu erkennen und systematisch abzubauen. Während die klassischen Arbeitsschutzkennzahlen weiter rückläufig sind, bleibt die Frage, wie widerstandsfähig Unternehmen in Deutschland gegenüber zukünftigen Krisen tatsächlich aufgestellt sind.